Vom Down in die Kriminalität.

Hallo liebe Leser seit langem mal wieder ein Blog von mir.

Ich hatte einen sensationell guten Januar, in dem ich Online sehr gute Erfolge einfahren konnte. Zu Buche steht ein 1. Platz im 5$ 2r1a auf Stars und ebenso auf Stars ein 5. Platz im 10$ 1r1a, bei letzterem war ich ein wenig verärgert, da der FT doch recht juicy war und ich leider einen 70:30 mit QQ gegen Ax verlor, und dann mit AK einen Flip gegen keine Ahnung mehr Pocket halt. So gut motiviert und einer fortlaufend ordentlichen BR steckte ich mir kommende Ziele. Was unter anderem solides MTT-Grinden beinhaltete. Doch eine Sache hat es mir besonders angetan und diese hieß EPT fast vor der Haustür. Jetzt überlegen wie ich die Sache am besten angehe, ok ich gab meinem Shot etwa 1,3k$, also erstmal Währungswechsel und Sats grinden. Ich mach es kurz meine Motivation dafür hielt etwa genau eine Woche. Nachdem die Hälfte etwa gedroppt war und ich der Meinung war, dass mir doch keins der Formate so absolut liegen würde. Entschloss ich mich etwas entnervt, aber meiner Meinung nach doch vernünftig, dieses Unterfangen zu unterlassen und mir lieber den Shot dann für ein Side-Event aufzuheben. Lange Rede Kurzer Sinn der Februar lief besch… ich konnte so gut wie nix verbuchen die Motivation schwand mit jedem Tag ein Stückchen mehr, womit auch mein Spielvolumen erheblich sank.

Doch steckte ich nicht gänzlich auf bezüglich Poker und widmete mich mehr dem Livespiel, auch in Vorbereitung auf die anstehende EPT. Ich holte mir langsam Selbstvertrauen zurück die Action war gut, die Erfolge ok und der Spass sehr hoch. Wie zu erwarten war der Februar dann auch doch kürzer als andere Monate und kaum bemerkt war es dann auch schon März und wie alle wahrscheinlich wissen, startete am 2. Tag selbigen Monats bereits die EPT-Berlin. Also Turnierlisten abchecken und Side-Events prüfen. Wagemutig wie ich bin erwählte ich das 1,1k 2-Day Freezeout am Samstag den 6.März zu meinem Turnier. Das sich am Ende herausstellen sollte das es wohl einer der historischsten Tage der EPT werden sollte war an diesem Zeitpunkt noch nicht zu erahnen. Aber erst einmal Schritt für Schritt. Warum ich das 1,1k Event wählte kann ich leicht erklären. Zur weiteren Auswahl stand noch ein tägliches Turbo mit 330 buy in, ein PLO-Event für ich glaube 1,6k und noch ein 2-Day Freezeout von 2,5k buy in NLHE. PLO hab ich nicht die Experience um es zu spielen und schon gar nicht live. 2,5k war mir schlicht zu hoch für meinen ersten EPT-Auftritt. Und ein Turbo, auch noch Live. WTF!! Beginn 12Uhr Check in 10Uhr und die Nachricht von langen Wartezeiten bei der Registrierung für die Side-Events ließen meinen Zeitplan dramatisch erscheinen. Früh schlafen, noch früher aufstehen, das tut weh. Am Abend davor noch Rücksprache mit Dirty Sanchezz gehalten und fürs Turnier verabredet. Skeptisch war ich ja schon trotz der mir versicherten 90% Teilnahmewahrscheinlichkeit seinerseits. Man kennt seine Pappenheimer halt ;) Zu 9 Uhr am Potsdamer Platz verabredet. Lage checken einchecken, nach Möglichkeit frühstücken.

9Uhr hieß für mich bei etwa einer Stunde Anreiseweg, selbstverständlich höchst vorbildlich mit dem ÖPNV, auch das mein Wecker 7Uhr schon nicht mehr still stand. Leicht unmotiviert und müde trotz 22:30Uhr im Bett, raffte ich mich dann aus selbigem. Sanchezz drohte ich ja schon tags zuvor 7Uhr bei ihm durch zu klingeln. Doch aus Humanitätsgründen und seinem kürzeren Anreiseweg ließ ich mich auf 8Uhr ein. Nur bekam man den Herrn nicht ans Telefon. Naja 1 und 1 zusammen gezählt ärgerte ich mich schon über die verlorene Value einer nicht getätigten Sidebet, dass er es nicht zum Turnier schaffen würde. In einer SMS kam die Gewissheit. Bis 12Uhr bestand der Tag dann aus anstehen, langweilen, bezahlen, frühstücken, wieder langweilen und letzte Vorbereitungen treffen. Die Registrierung war zwar auf 10Uhr terminiert doch kamen Kassierer und Co. erst halb 11. Da ich aber mit preußischer Pünktlichkeit ausgestattet bereits kurz vor 10 vor Ort war. War ich auch um 10:40uhr schon durch mit dem Prozedere, hinter mir dauerte es wohl länger ;)

Dann ab zum Turnier Tisch 9 Platz 3. Zum Table-line-up im Platz 1 ein recht tighter Franzose. Platz 2 ein solider Deutscher der jedoch den fable hatte wenn er in einer hand war sie extrem agressiv durchzuspielen. Mit Bets nah am Pot und möglichst jede Street. Platz 4 war besetzt von einem weiteren deutschen, welcher super Standard spielte. Auf Platz 5 der wohl beste Spieler, ein Schweizer, welcher mich von Betsizing einfach vollends überzeugte und auch einen gepflegt guten Stil an den Tag legte. Platz 6 wieder ein Deutscher weak passive Preflop und grundehrlich Postflop. Platz 7 deutscher Nit, war aber früh Short mit KK auf einem AXX Flop. Platz 8 war die ersten 2 Stunden wohl noch im Hotelzimmer. Platz 9 ein österreichischer Maniac, raist jede 2. Hand. Auf Platz 9 ein Osteuropäer, der klassische Donk, will nahezu jeden Flop sehen, mal Call, mal Minraise, Postflop dann häufig die Donkbet von 1/3 oder 1/4 Pot OOP usw. usw. ich war in der ersten Stunde noch recht aufgeregt, was sich dann mit der Zeit aber legte.

Der Start war ganz gut und ich konnte meinen Startstack von 10k auf 11k ausbauen in der ersten Stunde. Die entsprechende Hand dazu war, Platz 9 raist aus EP auf 150 und Platz 8 callt. Ich finde AQo am BTN 3bet auf 525, Maniac folds, Station calls flop K78r. Station donkbets 500 ich insta auf 1,7k und donkey folds after 2 minutes thinking.

Blinds 50/100 entscheide ich mich aufgrund meines recht tighten Image im Highjack mit Jc4c auf 250 zu openen. CO, BTN, SB und BB callen alle samt. Flop 6c7xTc, die Blinds checken zu mir. Ich checke auch, da ich hier leider viel zu viele Spieler in der Hand habe und es meiner Meinung nach die Range des CO und BTN sehr hart trifft. CO checks, BTN bets 600, Blinds folden, ich gucke etwas betrübt und mache ein wenig den cryingcall. Intention darin sind jetzt 2 Dinge erstmal bekomme ich so schon gute Odds und versuche den CO mit reinzuziehen, womit sich meine Hand weiter verbessern würde. 2. will ich hier nicht reraisen da der CO oder BTN hier sehr leicht die made hand mit Str8 oder Set haben können und ich da noch gut gegen ziehe. CO folds. Headsup zum turn. Turn ist eine Tx. Eine wirklich schlechte Karte für mich, wo ich kurz überlege und dann zum BTN checke. BTN bettet nun sehr klein mit etwa 1,1k und ich hab hier wirklich eine schwere Entscheidung. Ist mein Draw noch lebendig oder nicht. Im Endeffekt entscheide ich mich dagegen rumzunitten und den korrekten Call zu machen. Odd bezogen geht der hier vollkommen iO denk ich. River Ax, aus seiner Sicht trifft mich die Karte sicherlich, doch macht es hier wenig Sinn zu donkbetten nach der von ihm getätigten Line. Ich gebe einfach auf und er bettet auch 2400 und zeigt QT. Nachdem ich noch eine Minute etwas Show gemacht habe und hier einen mittelschweren Laydown symbolisiere.

Blinds 50/100 ich habe AKo auf dem BTN. Häufiges Szenario Maniac raist auf 375, Donk calls, CO calls. Jetzt habe ich 2 Möglichkeiten, ich kann eine 3bet spielen wie es standard wäre oder ich versuch die Hand tricky zu spielen, ich entscheide mich aus 2 Gründen für das tricky Play: erstens eröffne ich einen super squeeze spot für die blinds. Auf dem ich dann easy shoven kann und 2. ist meine Hand hier sehr gut versteckt, was mir Postflop vermutlich viel mehr Action gegen eine schwächeres A und einen schwächeren K geben würde. Lange Rede kurzer Sinn das Board kommt 257r und ich gebe die Hand einfach auf.

15 min BREAK!

Und nun tritt das ein was dieses EPT-Turnier so historisch gemacht hat. Wir setzen uns an die Tische. Ich lege gerade meinen BB. Der Dealer teilt die Karten aus und es macht sich auf einmal vom vorderen Teil des Ballrooms eine Unruhe breit. Erste Spieler stehen auf und dann geht es plötzlich sehr schnell. Die Menschen rennen über Tische und Stühle in Richtung Notausgang, es bricht eine Panik aus. Frauen schreien und weinen und Männer sind einfach nur schockiert und man sieht ihnen die Angst wie ins Gesicht geschrieben an. Kopf runter so schnell es geht raus aus dem Raum. Ich lasse noch meinem Rucksack mit Portmonee Passport und allem drum und dran in der Hektik liegen. Was war das? Bombe? Terrorangriff? Hoffentlich was minder Schlimmes. Es klärte sich recht schnell auf dem Weg nach draußen auf das es wohl ein bewaffneter Raubüberfall war. Auf die einzelnen Spekulationen in Folge dessen möchte ich jetzt nicht weiter eingehen ;)
So 20 Minuten gefroren und erstmal wieder rein ins Hyatt, hier herrschte ein wildes Durcheinander, Chips überall. Die ME-Tische sahen am chaotischsten aus. Umgekippte Tische, kaputtes Glas und umgeworfene Stühle, waren das Ergebnis. Zum Glück fand ich meinen Rucksack auch noch an Ort und Stelle vor. Es wurde uns dann nahegelegt erst einmal um 16uhr wiederzukommen. Was mich auch prompt dazu veranlasste Mittag essen zu gehen. Zwischendurch war ich auch noch in der Spielbank bei Dirty Sanchezz, welcher sich inzwischen zum CG spielen eingefunden hat. An jeder Ecke wurde wild geredet und alles ganz genau ausgewertet. Im Endeffekt: Wir leben alle noch!

16Uhr wieder im Hyatt sollten die Sideevents fortgesetzt werden und das ME eine halbe Stunde später. Jedoch eröffnete man den Spielern einen Refund. Das heißt Aussteigen und Geld zurück. Selbstverständlich nahmen das sämtliche Shortys in Anspruch. Nun hatte ich die Wahl mit meinem 8,2k Stack weiterzuspielen oder nicht. Ich entschied mich sehr sehr schnell dafür nicht weiter zu spielen. Aus einem recht einfach Grund. Das Aussteigen sämtlicher Shortys ließ meinen Stack relativ gesehen sehr schnell schrumpfen. Wo ich etwa bei einem average von meinetwegen 15k auf einmal relativer Shortstack gewese wäre. Allein diese Tatsache veranlasste dann auch Stacks um die 10k auszusteigen woraufhin das gesamte Turnier in sich zusammenbrach und es abgesagt wurde.

Noch ein Wort zur Berliner Polizei was mir wirklich auf dem Herzen liegt. Nachdem ich heute ein Statement lesen konnte indem stand wie dilettantisch die Verbrecher doch vorgingen und dann auch noch die Turnierleitung kritisiert wurde. Dafür das man so große Summen Bargeld nicht einfach so offen rumliegen lassen kann und das weitestgehend ungeschützt. Muss man doch wirklich sagen, dass es nicht angehen kann das an einem Ort wie dem Potsdamer Platz mitten in Berlin, es wirklich geschlagene 10 Minuten dauert bis die erste Polizei eintrifft. Und das Tätern die Flucht mitten durch ein Einkaufszentrum gelingen kann, sowie die Flucht mit dem Fluchtwagen, wenn es doch so dilettantisch war. Da sollte doch das Motto gelten erstmal vor der eigenen Tür zu kehren.

Ich für meinen Teil werde mich in nächster Zeit vermehrt dem Livespiel widmen. Es macht mir Spass, die Ergebnisse stimmen und es ist deutlich entspannter als das Online grinden. Gestern war ich an einem 2/2 Spiel anwesend und durfte nachdem ich mit 300 drin war mit 1,2k den Tisch verlassen. Also wehe hier kommt noch jemand auf die Idee Live zu spielen ;)

Gute Hände und bis zum nächsten Blog

  1. naja biste ja nochmal mit nem schrecken davon gekommen…und die nächste ept kommt sicher ;)
    viel glück dir

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